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FliesenoriginaleOriginale historische Fliesen · Katalog, Verkauf, Archiv
Verkaufen · 22. August 2026

Historische Fliesen verkaufen: bestimmen, bewerten, abgeben

Wie sich eine alte Fliese technisch einordnen lässt, welche Merkmale den Preis wirklich beeinflussen und welche gut gemeinten Eingriffe den Wert dauerhaft mindern.

In Papier gewickelte Fliesen in einem gepolsterten Karton – Symbolbild ©

Eine einzelne Fliese sagt mehr, als die meisten erwarten – aber sie sagt es nicht sofort. Wer verkaufen will, sollte zuerst wissen, was da vorliegt: Herstellungsverfahren, ungefähre Zeitstellung, Region, Zustand. Erst danach lässt sich über Wege und Preise reden. Die Reihenfolge umzudrehen, ist der häufigste Fehler.

Zuerst: Was ist es überhaupt?

Drei technische Großgruppen decken den weitaus größten Teil dessen ab, was aus Abriss, Dachboden oder Nachlass auftaucht.

Zinnglasierte Irdenware, handbemalt. Das sind die blau-weißen oder mangan-violetten Bildfliesen aus den Niederlanden, dazu verwandte Ware aus England, Norddeutschland, Portugal, Spanien. Der Scherben ist weich, gelblich bis rötlich, mit dem Fingernagel an der Bruchkante spürbar porös. Die Glasur ist eine deckende Zinnglasur, auf die vor dem Brand gemalt wurde – Pinselstriche laufen minimal in die Glasur, Konturen sind nie scharfkantig. Die Bemalung sitzt in der Glasur, nicht darauf. Bei starkem Streiflicht zeigt sich das gut.

Handwerklich geschnittene Ware mit Nagellöchern. In den niederländischen Werkstätten wurde der ausgerollte Ton mit einer Holzschablone zugeschnitten; kleine Nägel hielten die Schablone fest und hinterließen Löcher, die in den Ecken der fertigen Fliese sichtbar bleiben. Zwei, drei oder vier solcher Löcher kommen vor, abhängig von Ort und Zeit. Grob gilt: vier weiter innen liegende Löcher deuten auf frühe Ware des 16. und frühen 17. Jahrhunderts, später wurden es weniger und sie rückten näher an den Rand. Im 19. Jahrhundert verschwinden sie allmählich.

Trockengepresste Industrieware. Ab den 1840er Jahren wird pulverförmiger Ton in Pressen verdichtet – ein Verfahren, das auf ein Patent von Richard Prosser (1840) zurückgeht und von Herbert Minton in Lizenz genutzt wurde. Das ist die technische Grundlage für alles, was danach kommt: englische Motivfliesen, Historismus, Jugendstil, Art déco. Erkennbar an sehr geraden Kanten, gleichmäßiger Stärke und einer Rückseite mit erhabenen Rippen, Waben oder Buchstaben. Wo eine Rückseite ein sauberes Rippenmuster und womöglich einen Firmennamen trägt, ist die Fliese industriell und damit frühestens Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden.

Dazwischen liegen Sonderfälle: Steinzeugplatten für Böden, die Villeroy & Boch in den 1840er Jahren entwickelte und ab 1852 in Mettlach industriell fertigte, außerdem Ofenkacheln mit Rumpf auf der Rückseite, die technisch und im Wert eigenen Regeln folgen.

Was sich selbst prüfen lässt

Vier Handgriffe, kein Werkzeug außer Lineal, Waage und Tageslicht:

  • Messen. Kantenlänge in Millimetern, Stärke an mehreren Punkten. Niederländische Bildfliesen liegen meist im Bereich um 13 Zentimeter, ältere Stücke tendenziell etwas größer und dicker, jüngere dünner und exakter. Industrieware ist auf Zehntelmillimeter gleichmäßig.
  • Kante und Bruch ansehen. Handgeschnittene Ware hat leicht schräge, unregelmäßige Kanten und einen weichen, porösen Scherben. Gepresste Ware hat scharfe Kanten und einen dichten, oft heller gebrannten Körper.
  • Rückseite fotografieren. Nagellöcher, Rippen, Stempel, Mörtelreste, Farbe des Scherbens – die Rückseite trägt mehr Information als das Motiv.
  • Streiflicht und Lupe. Unterglasurmalerei liegt unter der Glasurhaut; Aufglasurdekor und moderner Siebdruck sitzen darauf und lassen sich am Rand des Farbfelds ertasten. Ein gedrucktes Motiv zeigt unter zehnfacher Vergrößerung Punktraster oder gestochene Linien – der Umdruck von Kupferplatten auf Fliesen ist seit 1756 belegt (Sadler und Green in Liverpool) und keineswegs ein Zeichen für Neuzeit.

Verbreitete Irrtümer

"Nagellöcher beweisen, dass es alt ist." Sie sind ein Indiz, kein Beweis. Ihre Zahl und Lage variieren nach Werkstatt, sie fehlen bei mancher alter Ware, und sie lassen sich nachahmen. Die Datierung entsteht aus dem Zusammenspiel von Scherben, Glasur, Malduktus, Format und Eckmotiv – nie aus einem Merkmal allein.

"Delfter Fliese heißt: aus Delft." In der Praxis ist "Delfter" ein Stilbegriff. Blau-weiße Bildfliesen entstanden ebenso in Rotterdam, Utrecht, Amsterdam, Harlingen, Makkum und an weiteren Orten, dazu in England und Norddeutschland. Wer eine Herkunft angibt, sollte sie begründen können – sonst reicht "niederländisch, 18. Jahrhundert".

"Mettlacher Platten sind von Villeroy & Boch." Der Begriff wurde schon im 19. Jahrhundert von Nachahmern übernommen und ist heute ein Gattungsname für eine Warenart, nicht für einen Hersteller.

"Craquelé zeigt Alter." Haarrisse in der Glasur entstehen durch unterschiedliche Ausdehnung von Scherben und Glasur und treten auch bei junger Ware auf. Umgekehrt gibt es dreihundert Jahre alte Fliesen mit intakter Glasurhaut.

"Ohne Marke ist es wertlos." Handbemalte niederländische Ware trägt fast nie eine Rückseitenmarke. Marken und Rückseitenstempel sind vor allem bei Industrieware ab dem späten 19. Jahrhundert zu erwarten.

Was den Preis hebt – und was ihn drückt

Preisniveaus lassen sich nur als Größenordnung beschreiben, weil Zustand und Seltenheit alles verschieben. Eine gewöhnliche niederländische Bildfliese des 18. Jahrhunderts mit häufigem Motiv – Blume, Ornament, Landmann – bewegt sich in einer bescheidenen zweistelligen Größenordnung. Seltene Motivgruppen, frühe Polychromie, ungewöhnliche Berufsdarstellungen, signierte oder eindeutig zuweisbare Jugendstilentwürfe erreichen ein Vielfaches. Zusammenhängende Bildtableaus und Serien liegen deutlich über der Summe ihrer Einzelteile.

Preistreibend wirken:

  • Motivseltenheit. Schiffe, Seeungeheuer, Handwerksberufe, biblische Szenen mit ungewöhnlicher Ikonografie, Werbefliesen mit Firmennamen.
  • Vollständigkeit. Ein zusammengehöriger Satz, dessen Zusammenhang belegt ist, ist mehr wert als vier Einzelstücke.
  • Erhaltene Kanten. Randabplatzer sind normal, aber ein unbeschädigtes Format ist selten.
  • Herkunftsangabe. Gebäude, Straße, Abbruchjahr, ein Foto der Situation vor dem Ausbau – dokumentierte Provenienz ist ein realer Wertfaktor.

Preisdrückend wirken vor allem selbstgemachte Eingriffe: nachgemalte Fehlstellen, überklebte Risse, mit Winkelschleifer abgetrennter Mörtel, Reinigung mit Säure oder Scheuermilch. Solche Spuren sind irreversibel und für Fachleute sofort sichtbar.

Reinigung: wenig ist mehr

Mörtelreste werden trocken und mechanisch abgenommen, mit Holz- oder Kunststoffspachtel, von der Rückseite her, nie über die Glasurkante hinweg. Ein Bad in klarem, kaltem Wasser über mehrere Tage kann lösliche Salze austreiben, die sonst später als weiße Flaumschicht ausblühen; danach langsam trocknen lassen. Zementmörtel des 20. Jahrhunderts sitzt oft fester als der Scherben – im Zweifel dranlassen und den Zustand offen beschreiben. Säuren, Chlor, Spülmaschine und Hochdruck sind für poröse Irdenware ungeeignet. Alte Bleiglasuren sprechen zudem dagegen, solche Stücke als Unterlage für Lebensmittel zu verwenden.

Wege zum Verkauf

Drei Optionen mit unterschiedlichem Profil: der Direktverkauf an Händler oder Sammler bringt einen sofortigen, kalkulierten Preis; die Spezialauktion erschließt bei seltener Ware ein Publikum, das Höchstpreise zahlt, kostet aber Provision und Zeit; offene Verkaufsplattformen funktionieren für Massenware, führen bei Besonderheiten aber oft unter Wert, weil dort niemand nach ihnen sucht.

Sinnvoll ist in allen Fällen dieselbe Vorbereitung: jede Fliese einzeln bei diffusem Tageslicht fotografieren, Vorder- und Rückseite, Kanten schräg, ein Lineal mit im Bild; Schäden nicht kaschieren, sondern zeigen; Fundort und Ausbaudatum notieren. Wer nicht datieren kann, schreibt das so – eine ehrliche Beschreibung mit offener Frage bringt mehr als eine erfundene Zuschreibung, die beim ersten Sachverständigen zusammenfällt.

Häufige Fragen

Woran lässt sich erkennen, ob eine Fliese handgemacht oder industriell gefertigt ist?

An Kante und Rückseite. Handgeschnittene Ware hat leicht unregelmäßige, schräge Kanten, schwankende Stärke und einen weichen, porösen Scherben, oft mit Nagellöchern in den Ecken. Trockengepresste Industrieware ab Mitte des 19. Jahrhunderts hat scharfe Kanten, gleichmäßige Stärke und eine Rückseite mit erhabenen Rippen, Waben oder Schriftzügen.

Sind Nagellöcher ein sicherer Altersbeweis?

Nein. Sie stammen von den Nägeln, mit denen die Schneideschablone auf dem feuchten Ton fixiert wurde, und ihre Zahl und Lage verändern sich im Lauf der Zeit. Sie fehlen aber bei mancher alter Ware und lassen sich nachahmen. Belastbar wird eine Datierung erst, wenn Scherben, Glasur, Malweise, Format und Eckmotiv zusammenpassen.

Sollten alte Fliesen vor dem Verkauf gereinigt werden?

Nur zurückhaltend und trocken-mechanisch. Lose Mörtelreste lassen sich mit Holz- oder Kunststoffspachtel abnehmen, lösliche Salze durch mehrtägiges Wässern in klarem, kaltem Wasser. Säure, Scheuermittel, Spülmaschine und Winkelschleifer beschädigen poröse Irdenware und mindern den Wert dauerhaft.

Lohnt es sich, Fliesen einzeln oder im Konvolut abzugeben?

Das hängt von der Ware ab. Zusammengehörige Tableaus und Serien sollten zusammenbleiben, weil ihr Zusammenhang selbst ein Wertfaktor ist. Bei gemischten Beständen aus einem Abriss ist eine Sichtung sinnvoll, bevor alles pauschal weggegeben wird, weil einzelne Stücke deutlich herausragen können.

Was bringt eine Herkunftsangabe?

Sie ist ein realer Wertfaktor. Gebäude, Straße, Ausbau- oder Abbruchjahr und ein Foto der Einbausituation machen ein Stück nachvollziehbar und heben es aus der anonymen Massenware heraus. Wo nichts bekannt ist, ist die offene Angabe der Lücke besser als eine geratene Zuschreibung.

Bedeutet eine fehlende Rückseitenmarke, dass die Fliese nichts wert ist?

Nein. Handbemalte niederländische Bildfliesen tragen fast nie eine Marke. Rückseitenstempel und Firmenprägungen sind vor allem bei industriell gefertigter Ware des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts zu erwarten.


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Jedes Objekt ist ein Einzelstück. Wir beantworten Fragen zu Zustand, Datierung und Versand – und schicken auf Wunsch weitere Aufnahmen.

  • Ehrliche ZustandsbeschreibungJede Abplatzung, jeder Haarriss ist beschrieben und fotografiert.
  • Zusätzliche AufnahmenRückseite, Kanten, Details – wir fotografieren nach, was Sie sehen möchten.
  • Sicherer VersandHistorische Keramik wird einzeln gepolstert und im Karton verkeilt.
  • Reservierung möglichWir legen ein Stück auf Wunsch unverbindlich zurück.
Andreas Kirchner, Ansprechpartner für historische Fliesen
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