Jugendstilfliesen
Geschwungene Linien, florale Motive und kräftige Laufglasuren. Fliesen aus der Zeit um die Wende zum 20. Jahrhundert – meist reliefiert gepresst statt bemalt.
Zu dieser Auswahl ist derzeit nichts im Bestand.
Der Jugendstil brachte einen technischen Bruch: Statt die Fliese zu bemalen, wurde das Motiv als Relief in die Form gepresst und die Glasur in die Vertiefungen geleitet. Das erlaubte Auflagen in Serie – und macht Jugendstilfliesen bis heute vergleichsweise gut auffindbar.
Woran man sie erkennt
- Relief: das Motiv steht fühlbar vor oder liegt vertieft; mit dem Finger über die Oberfläche zu streichen sagt mehr als jedes Foto
- Laufglasur: Farben fließen ineinander und sammeln sich in den Vertiefungen dunkler an
- Linienführung: Ranken, Mohn, Seerosen, Pfauenfedern, weibliche Profile – organisch, asymmetrisch, nie streng geometrisch
- Format: überwiegend 15 × 15 cm, deutlich dicker und schwerer als niederländische Zinnglasurware
- Rückseite: kräftige Rippen oder Waffelstruktur, häufig mit eingeprägtem Herstellerzeichen
Abgrenzung zum Art déco
Wo die Linie fließt, ist es Jugendstil. Wo sie bricht, gespiegelt und in klare Felder gesetzt wird, beginnt das Art déco. Die beiden Stile gehen ineinander über; eine trennscharfe Jahreszahl gibt es nicht.

